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Brade: Neustart nach der Flut

Flutkatastrophe im August 2002: Auch die Bäckerei Brade im sächsischen Röderau gehörte zu den Opfern. Dass der Betrieb bereits wenige Tage nach der Überschwemmung wieder produzieren konnte, verdankt Inhaber Matthias Brade dem Einsatz der Bäko in Groitzsch und der raschen Hilfe von Pro-fit-2.

Meterhoch stand das Wasser in der Backstube. Bilder, die man nie vergisst. Bäckermeister Brade und sein Betrieb zählten zu den insgesamt 112 Bäckereien in Sachsen, die von der Flut betroffen waren. Das Gewerbegebiet, wo sich die Produktion und ein angegliedertes Café von Brade befanden, war komplett überschwemmt. Von heute auf morgen stand der Unternehmer vor dem Nichts. Öfen, Backmaschinen und anderes technisches Gerät versank in den Fluten. „Wir konnten nichts mehr retten “, erinnert er sich. Das Wasser stand bis zu den Ofenrohren in seiner Backstube. Mit einer derartigen Überschwemmung hatte in Röderau, das immerhin rund 1,5 km von der Elbe entfernt liegt, damals niemand gerechnet. Glück im Unglück: Geistesgegenwärtig schleppte Brade in großen Brotkörben die wichtigsten Geschäftsunterlagen und Akten in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Gebäude.

Hilfe zur Selbsthilfe

Bereits wenige Tage nach der Katastrophe konnte Brade wieder produzieren. Die Bäko in Groitzsch bot ihre Lagerräume an und die zur Horstmann-Gruppe gehörende und in Sohland ansässige Firma Pro-fit-2, die mit gebrauchter Bäckereitechnik handelt, stellte kostenlos Stikken- und Etagenofen, Brotteigteiler, Gärunterbrecher bis hin zu Stikkenwagen und Arbeitstischen zur Verfügung. „Die Hilfe von unseren Partnerfirmen kam schnell und unbürokratisch“, erklärt Rommy Schumann, Fachberaterin für Investitionen bei der Bäko in Groitzsch. In zwei großen Lastzügen wurde die Bäckereitechnik zur Bäko nach Groitzsch transportiert, wo Brade provisorisch seine Backstube einrichtete. „Für uns war klar, dass wir schnellstmöglich helfen “, sagt Christian Barth, Regionalleiter von W & P und Kemper für die neuen Bundesländer. Binnen zwei Tagen waren die Maschinen installiert. Insgesamt griff das Unternehmen rund 50 von der Katastrophe betroffenen sächsischen Betrieben unter die Arme, u.a. durch Bereitstellen von Leihgaben oder auch durch günstige Sonderkonditionen für Ersatzteile und Maschinen. Die Leihgaben wurden übrigens ohne jegliche Kaufverpflichtung den Betrieben kostenlos bereitgestellt.

Mut zum Neuanfang

Mitte der neunziger Jahre hatte Brade kostspielige Investitionen getätigt, die Bäckerei vergrößert und seine neue Produktionsstätte in Röderau gebaut. „Nach der Katastrophe ist nichts mehr so, wie es war “, sagt er. Vor der Überschwemmung stand der Betrieb mit insgesamt sechs Verkaufsstellen kurz vor der Zertifizierung seines Qualitätsmanagements nach DIN ISO 9001-2000. „Die Zertifzierung jedoch fiel sprichwörtlich ins Wasser. “ Brade hat ein Ziel vor Augen: Er will wieder seine Bäckerei dahin bringen, wo sie vor der Katastrophe stand. Ein beschwerlicher Weg, doch der Anfang ist getan. „Nach der Flut gab es für uns schließlich nur zwei Alternativen, entweder die Insolvenz zu beantragen oder den Blick nach vorn zu richten. “ Brade entschloss sich, weiterzumachen. Mit großen Plakaten und zahlreichen Anzeigen in der Lokalpresse informierte er auch seine Kunden von diesem Entschluss. „Wir machen weiter “ — so das Motto der Plakatation. Woher er diese Zuversicht nahm? „Ohne die Hilfe der Bäko und der Unterstützung von Pro-fit-2 hätten wir unsere Existenz nicht sichern können “, sagt Brade. Das machte Mut und ermöglichte einen Neuanfang. Noch produziert er in den Lagerräumen der Bäko, doch bereits im August wird seine neue Backstube in Riesa eröffnet. Im Mai hat er dort Richtfest gefeiert. „Wir haben uns entschieden, unsere Backstube an einem anderen hochwassersicheren Standort zu errichten. “ Eine, wie sich rückblickend herausgestellt hat, weise Entscheidung. Denn im Gerwerbegebiet Röderau werden bald alle Häuser und Firmengebäude abgerissen. „Das Land hat entschieden, dass dieses Gebiet in Anbetracht der Flutkatastrophe und als Vorsichtsmaßnahme für die Zukunft zu renaturieren ist. “ In der neuen Produktion will der Unternehmer sich wieder verstärkt dem Liefergeschäft widmen, das vor der Katastrophe einen Großteil seines Umsatzes ausmachte. „Wir mussten es ganz einstellen, denn die Entfernung von der Backstube in der Bäko-Groitzsch bis zu unseren Lieferkunden war einfach zu groß. “ Stück für Stück baut Brade seinen Betrieb wieder auf. Zehn Monate nach der Katastrophe kauft er auch wieder Maschinen und Öfen. „Zu verzweifeln macht schließlich keinen Sinn.
Quelle: Bäcker Zeitung 22/2003

 

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