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Bäckerei Lieberwirth nimmt moderne Produktionshalle im Gewerbegebiet Leubsdorf in Betrieb

Leubsdorf. Die Bäckerei Lieberwirth wird am Wochenende im Blickpunkt der Kunden stehen. Allerdings nicht in den Filialen wird mit dem Andrang von Käufern leckerer Produkte gerechnet. Vielmehr dürfte dem neuen Mutterhaus, der modernen Backstube das Interesse der öffentlichkeit gelten. Mit einem Tag der offenen Tür vollzieht das Familienunternehmen um die Brüder Lieberwirth am Sonntag die offizielle Einweihung ihres schmucken Produktionsgebäudes.

Ein ehrgeiziges Projekt regionaler Wirtschaftsentwicklung nimmt damit seinen erfolgreichen Verlauf.

Ganze Bäckerei packt

Das Gewerbegebiet an der Borstendorfer Straße in Leubsdorf ist um einen markanten Neubau gewachsen. Die Errichtung des Bäckereibetriebes auf grüner Wiese gilt als gutes Beispiel, wie heimische Firmen ihren Produktionsstandort sichern und ausbauen, zugleich ortsansässigen Firmen Arbeit geben und neue Mitarbeiter in Lohn und Brot bringen.

Rund eine Million Euro hat die angesehene Bäckerei in ihren neuen Firmensitz investiert. Das Gebäude entspricht dem aktuellsten Stand in Bau und Ausrüstung. Mit dem aus Schlangen (Paderborn) stammenden Baubetrieb Dietrich haben die Leubsdorfer die Experten im Bereich Neubau von Bäckereien im Bundesgebiet verpflichten können. „Diese renommierte Firma kennt sich aus, ist direkt darauf spezialisiert“, hebt Udo Lieberwirth neben seinem Bruder Jörg einer der Geschäftsführer, hervor. „Solche Fachleute kennen sich im Genehmigungsverfahren genauso aus, wie im Innenleben eines Betriebs, wissen, wo bestimmte Technik platziert werden sollte, welche Erfahrungen andere Kollegen mit Produktionsabläufen erlangt haben“. Die Bäckerei verweist darauf, dass zahlreiche Firmen und Handwerker der Region am Neubau beteiligt worden seien. „Ob Maler, Klempner, Elektriker oder die Gestaltung von Außenanlagen und der Transport von Baumaterialien, einheimische Gewerke fanden bei uns Arbeit.“

Insgesamt verfügt die Bäckerei über 880 Quadratmeter Grundfläche, der Herstellungsbereich nimmt rund 600 Quadratmeter ein. Herzstück sind die zwei Steinbacköfen, mit denen die gesamte Ware gebacken wird. 40.000 Euro kostet einer dieser gastbetriebenen Spezialbauten. mit denen beispielsweise 10.000 Brötchen pro Tag hergestellt werden. „Pro Stunde bestücken wir die Geräte beispielsweise auch mit 300 Broten“, so Jörg Lieberwirth. Nicht minder wichtige Errungenschaften in dem großzügig und praktikabel angelegten Haus sind die Kühlsysteme. Drängt sich der Backbetrieb vordem auf engstem Raum, bestehen jetzt eigene Fertigungsstrecken für Brot, Brötchen, Kuchen und Gebäck.

Neue Dimensionen nehmen nun auch Lagerhaltung und der An- bzw. Auslieferungsbereich ein. Dass mit einem Neubau gravierende Verbesserungen erfahren, gehört zu einer zeitgemäßen Planung. Umkleideräume, Duschen, Toiletten entsprechen dem geforderten hygienischen Standard. Und auch der Verwaltungsbereich hat Platz gefunden, wie Datentechnik Einzug gehalten hat. Für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Arbeitsabläufe sorgt ebenso das Mehlsilo. „In dem bevorraten wir uns mit zehn Tonnen Weizenmehl und mit vier Tonnen Roggenmehl“, erklärt Bäckermeister Udo Lieberwirth.

Kinderbackstube öffnet

Zum Tag der offenen Tür laden die Lieberwirths mit ihrem Team zu einem vielgestaltigen Programm ein. „Besucher können den Betrieb in Augenschein nehmen und einen Blick in die Backstube werfen“, so Udo Lieberwirth. Für junge Leute werden die Gastgeber eine Kinderbackstunde vorbereiten. „An der Seite von zwei Bäckermeistern können sie Ausstecher auf Mürbeteigbasis herstellen.“ Feinschmecker sollten sich die Ein-Euro-Party im Festzelt nicht entgehen lassen. „Wir offerieren unser Sortiment und nicht nur Süßes für einen einheitlichen Preis von einem Euro“, erklärt dazu Jörg Lieberwirth.

Leckeres von A bis Z

Stolz sind die Lieberwirths auf ihre traditionellen Backweisen verpflichteten Herstellungsweisen. „Wir verfügen über modernste Technik, die schließt nicht aus, Brot und Brötchen wie von früher mit bekannten Backzutaten und Backprinzipien herzustellen und bei der Ware Verzehrgewohnheiten unserer Kunden zu achten.

Gerade deren Nachfrage nach unseren Erzeugnissen ermutigte uns, den Betrieb zu modernisieren“, so Udo Lieberwirth weiter und verweist auf die aus selbst gezüchteten Natursauerteig produzierten Brote.

Täglich liefert der Betrieb ein Sortiment von 20 Brötchen-, 15 Brot- und 25 Kuchensorten. Unter den süßen Leckereien erfreut sich Freiberger Eierschecke besonderer Beliebtheit. Mehrere Hundert Stück verlassen täglich die öfen. „Ursprünglich gehörte dieses Produkt gar nicht zu unseren angestammten Erzeugnissen“, erklärt Jörg Lieberwirth. „Doch als wir eine Filiale in der Bergstadt Freiberg eröffneten, wurde dieser Kuchen immer wieder nachgefragt. Also haben wir ihn in unsere Erzeugnispalette aufgenommen.

Verkauf in zehn Filialen

Derzeit betreibt der Bäckereibetrieb zehn Filialen im gesamten Regierungsbezirk Chemnitz. Täglich rollen die viel Lieferwagen mit frischer Ware zu den Einrichtungen, um Kunden in Chemnitz, Flöha und Gornau zu beliefern. Zudem verfügt das Unternehmen über Fahrzeuge, die als mobile Verkaufsstände unterwegs und vor allem auf dem Lande mit ihrer schmackhaften Fracht bei Käufern beliebt sind.

über 30 Mitarbeiter finden im Verkaufsbereich bei Lieberwirth Arbeit- „In der Produktion sind wir momentan 13 Leute“, so gibt Jörg Lieberwirth einen Einblick.

Viele Kunden wissen zudem frisch gebackenes Brot aus den mobilen öfen zu schätzen, mit denen die Leubsdorfer regelmäßig auf Märkten und neben Einkaufseinrichtungen Halt machen.

Umzug an einem Wochenende

„Eine logistische Herausforderung und gesundes Wagnis war die Betriebsumstellung. Am 25. August 2007 haben wir gegen sechs Uhr für immer den Ofen im bisherigen Hauptgebäude Hauptstraße 95 in Leubsdorf ausgeschaltet.“, ist Udo stolz auf das Gelingen. „Binnen zweier Tage sind mir mit Mann und Mehlsack in unser neues Objekt umgezogen, es lief erstaunlich reibungslos.“ Bereits am 27. August wurde das Sortiment erstmals aus den neuen öfen den Kunden offeriert. Manch schlaflose Minute haben die Brüder samt Team dennoch durchlebt.

„Wir sind umgezogen, doch eigentlich ist für den Backbetrieb nahezu alles neu angeschafft worden“, so Jörg Lieberwirth. „Als die Investitionsentscheidungen zu treffen waren, galt etwa dem bisherigen Backofen unsere überlegung: Was wird?“.

Der war nach der Wende angeschafft worden, hätte sicher noch seinen Dienst getan. „Doch die kommenden Ziele im Auge, beschlossen wir, auch diese Technik auszutauschen und eine solide Basis zu schaffen.“

Ein Blick auf die imposanten Gasgeräte dürfte die Entscheidung bekräftigen. Mit einem einfachen Knopfdruck können die computergesteuerten öfen in Sekundenschnelle auf jeweilige Backaufgaben eingestellt und Temperaturen hoch- oder herunter geregelt werden. Eine automatische überwachung gibt dem Bäcker Signal, wenn die Gefahr des Verbrennens droht. Bereits Minuten vor dem Ende der programmierten Backzeit macht der Ofen optisch und akustisch auf sich und die Erzeugnisse im Bauch aufmerksam.

Dem Beruf verpflichtet

„So modern die Einrichtung unterdessen gestaltet ist, der Beruf bleibt eine Herausforderung, insbesondere durch seine Arbeitszeiten, die sich an den Kundenwünschen orientieren. Früh will der Kunde frisches Brot und Brötchen“, möchte Udo Lieberwirth dennoch seinen Job nicht tauschen. Seine gewöhnliche Dienstzeit reicht von 1.30 Uhr in der Nacht, bis zum Mittag, zumeist folgt eine weitere Dienstrunde am Nachmittag bis gegen 18 Uhr.

„Der Jugend eine Chance“ lautet nicht von ungefähr das Motto der angesehenen Lieberwirths. Regelmäßig erlernen Lehrlinge das Handwerk an Spezialofen und Multifunktionskühlautomat.

„Wir benötigen in unserer Branche dringend Berufsnachwuchs und wollen jungen Leuten zugleich eine Existensmöglichkeit bieten. Also schaffen wir im Unternehmen dafür die Voraussetzungen“, nennt Udo Lieberwirth die Intensionen des Familienbetriebs. Bäcker sei ein schöner, aber schwerer Beruf. Der Job verlange standhafte Berufseinsteiger, was man leider nicht immer bei Schulabgängern feststellen könne. „Zum Berufsbild gehört auch beim Einsatz modernster Technik und neuer Rezepturen weiterhin das sehr frühe Aufstehen, vor den Wochenenden auch die Nachtarbeit“, so Jörg weiter.

Den Entschlüssen, die Bäckerei fortzuführen und schließlich auch den Neubau zu wagen, seien lange Diskussionen vorausgegangen. „Aber wir üben den Beruf gern aus, haben eine solide Basis und sehen unsere Leistungskraft gegeben, die diese Investition rechtfertigen“, sind sich die Brüder einig. Mit Anfang 40 Jahren sei eine berufliche Perspektive für die Chefs klar gegeben. „Die Entscheidung stand ohnehin an, am bisher bestehenden Standort zu investieren oder gleich weiter zu denken und großzügiger zu bauen“, stellen die Bäcker fest.

Söhne im Chefsessel

Udo und Jörg führen die Firma seit 2003. Den Grundstein des Familienbetriebs hatte 1969 Vater Rainer gelegt. Aus Herold kommend, hatte der Firmensenior das damalige Geschäft des Nitzsche-Bäckers übernommen.

Der Senior der Leubsdorfer Bäcker konnte 1999 auf sein 30-jähriges Berufsjubiläum blicken. Mit Stolz verfolgt er nun die Ambitionen seiner Söhne, die über andere berufliche Zwischenstationen in die Fußstapfen des Vaters getreten sind.

War zu Rainer Lieberwirths Bäckereiübernahme die Backstube rund 40 Quadratmeter groß, nutzte er die politische Wende, um Investitionen zum Ausbau der Firma zu tätigen. Rund 200 Quadratmeter wuchs der Betrieb unter seiner Regie. Auch er schuf moderne Maschinen an, baute Kühlzellen ein und legte den Grundstein, weitere eigene Filialen zu betreiben.

Bild 01: Kosten gehört natürlich auch zum Handwerk: Die Bäcker des Unternehmens mit Jörg (l.) und Udo Lieberwirth (r.)

Bild 02: Die Bäcker der Lieberwirths halten die Bleche für das gemeinsame Backen mit den Kunden zum Tag der offenen Tür bereit.

Bild 03: Sebastian Oehme verlädt noch einen Beutel Kekse, dann kann die Auslieferung der Ware vom neuen Produktionsgebäude aus beginnen.

Bild 04: Silvio Matz (l.) und Marko Franke bei der Keksherstellung im neuen Produktionsgebäude von Lieberwirths

 

Quelle: Flöhaer Zeitung 26. September 2007

 

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